Wieso lohnt es sich Emilia Galotti zu lesen?

Wichtige Informationen und Analyseansätze zu Gotthold Ephraim Lessings Emilia Galotti.

Maurin Jenny

1/6/20255 min read

Emilia Galotti – Gotthold Ephraim Lessing (1772)

Ein bürgerliches Trauerspiel, das die Geschichte von Emilia Galotti erzählt, die zwischen den Intrigen eines mächtigen Prinzen und der Ehre ihrer Familie gefangen ist. Das Stück behandelt Themen wie Machtmissbrauch, moralische Integrität und die Unterschiede zwischen Adel und Bürgertum.

Alles auf einen Blick

Grundlegene Informationen

Das bürgerliche Trauerspiel „Emilia Galotti“ wurde im Jahr 1772 vom deutschen Dramatiker Gotthold Ephraim Lessing veröffentlicht. Dieses Stück erzählt die Geschichte von Emilia, eine junge Frau, welche aufgrund eines Fürsten ins Unglück gestürzt wird. Dieses Spiel spielt in einem fiktiven italienischen Fürstentum und kritisiert die Unterdrückung welche absolutistische Herrschaft bringen kann.

Inhalt
In dem Bürgerlichem Trauerspiel geht es um Emilia Galotti, welche den Grafen Appiani heiraten soll. Jedoch verliebt sich auch der Prinz von Guastalla in sie und scheut vor nichts zurück, um sie heiraten zu können. So organisiert sein Kammerdiener, Marinelli, einen Überfall auf die Kutsche von Appiani. Der Graf wird bei diesem Überfall umgebracht und Emilia wird zum Schloss des Prinzen gebracht. Die Geliebte des Prinzen, Gräfin Orsina, erfährt von diesem Überfall und berichtet dies den Eltern von Emilia. Sie gibt auch dem Vater von Emilia einen Dolch, welcher er mitnimmt als er Emilia besucht. Da Emilia ihre Unschuld nicht verlieren will, sagt sie ihrem Vater, dass er sie erstechen soll. Und so wird Emilia von ihrem eigenen Vater erstochen. Dies macht den Prinzen sehr wütend und er gibt Marinelli die Schuld für alles.
Figuren

Emilia Galotti: Sie ist die Hauptfigur dieses Dramas und soll den Grafen Appiani heiraten. Sie ist religiös und tugendhaft und will dementsprechend ihre Unschuld nicht verlieren. Jedoch wird sie aufgrund des Prinzen in tiefes Elend gestürzt und bittet ihren Vater am Ende des Spiels ihr Leben zu nehmen.

Odoardo Galotti: Er ist der Vater von Emilia. Er freute sich sehr auf die Hochzeit zwischen Emilia und Appiani und ist empört, als er von den Aktionen von Marinelli hört. Wir sehen auch dass er sehr kalt sein kann, als er es übers herz bringt das Leben seiner eigenen Tochter zu nehmen.

Prinz Gonzaga von Guastalla: Er soll die Gräfin Orsina heiraten, jedoch verliebt er sich aufgrund eines Portraits in Emilia. Dies war aufgrund ihres Aussehens und wir sehen auch dass er Frauen nur aufgrund dessen begehrt. Dies zeigt sein übermässiger Egoismus, welcher auch in anderen Aspekten zum Vorschein kommt.

Marchese Marinelli: Er ist der Kammerdiener des Prinzen und will durch seinen hinterhältigen Plan Emilia für den Prinzen gewinnen. Er ist machtgierig, tückisch und skrupellos.

Form

Emilia Galotti ist ein Bürgerliches Trauerspiel in fünf Aufzügen. Die Form ist weitgehend an die Aristotelischen Dramentheorie[1] gebunden, in welcher die Einheiten von Ort, Zeit und Handlung wichtig sind.

Ort: Die meiste Handlung spielt beim Schloss des Prinzen und in einem Haus, welches nicht weit entfernt ist.

Zeit: Die gesamte Handlung spielt während eines Tages

Handlung: Das Stück hat eine klare lineare Entwicklung und es sind keine Nebenstränge vorhanden

Ebenfalls, durch das Stück als Bürgerliches Trauerspiel versucht Lessing die schwierige Realität des Bürgertums darzustellen, welches durch absolutistische Herrscher unterdrückt wird.

Deutung

Themen und moralische Fragen

Machtmissbrauch: Der Prinz nutzt seine Macht, um seine persönlichen Begehren zu erlangen. Dieses Stück kritisiert diese absolutistische Macht und zeigt in Form der Tragödie die Gefahren des Machtmissbrauches.

Bürgertum gegen den Adel: Ebenso sehen wir in diesem Stück einen Kampf zwischen dem Bürgertum und dem Adel. Emilia, als Teil des Bürgertums, ist nahezu machtlos gegenüber dem adeligen Prinzen. Dieser soziale Konflikt steht im Zentrum dieser Tragödie.

Ehre und Tugend: Die Ehre und Tugend die Emilia verspürt, kostet ihr das Leben. Das Stück stellt in einer heute unvorstellbaren weise dar, dass es in dieser Zeit besser war zu sterben als seine Ehre zu verlieren. Wir sehen dies, als Odoardo Emilia auf ihren Wunsch hin das Leben nimmt.

Symbolik und Leitmotive

Macht: Die Macht ist das wichtigste Leitmotiv in diesem Spiel. Die Macht ist das zentrale Element, welches die Geschichte voranbringt und wird von Lessing mithilfe dieses Spiels kritisiert.

Blumen: Der Prinz vergleicht Emilia mit einer Blume, die er Pflücken will. Dies ist sinnbildlich für die Schönheit aber auch die Vergänglichkeit von Emilia. Es verdeutlicht auch die Gier des Prinzen, welcher eine solche «Blume» einfach aus dem Boden reissen würde.

Der Dolch: Mit diesem nimmt am Ende des Buches Odoardo das Leben von Emilia. Er symbolisiert den Kontrast zwischen die Liebe, die er für Emilia verspürt sowie auch dass sie durch ihren Tod ihre Unschuld bewahren würde.

Interpretationsansätze

Kritik an Machtmissbrauch: Lessing kritisiert mit diesem Stück den Missbrauch von Macht. Dies spiegelt sich in jeglicher Handlung wider, da der Prinz nicht so viel Schaden angerichtet hätte, wenn er nicht so viel Macht hätte. Wir sehen jedoch am Ende, dass diese ganze Macht dem Prinzen nicht geholfen hat, Emilia zu heiraten, da sie die «Macht» hatte sich den Tod zu wünschen.

Konflikt zwischen Bürgertum und Adel: Ebenfalls sehen wir in diesem Drama die unterschieden in der Moral von Bürgertum und Adel. Der Adel wird dargestellt als Böse, da er vor nichts scheut, um zu bekommen, was er will. Und das Bürgertum wird dargestellt als das Gute, da sie ihre Ehre behalten in dem sie gegen diese Unterdrückung kämpfen.

Rezension & Wertung

In 0-5 Lesezeichen 🔖wir das Werk in folgenden Punkten bewertet

Figurenbewertung

🔖🔖 (2/5)

Meiner Meinung nach sind die Figuren dieses Stücks sehr interessant. Jedoch ist es schwierig für mich, ihre Aktionen nachzuvollziehen. Dies ist auf jeden Fall aufgrund des Alters des Stücks, da es für mich unvorstellbar ist mein Leben zu verlieren, um meine Ehre zu bewahren. Ich finde auch die Aktionen von dem Prinzen Irrational und exzentrisch, was ihn für mich ein wenig unsympathisch macht. Jedoch kann ich verstehen, dass diese Figuren zeitgemäss sehr wahrscheinlich sehr akkurat sind und ich kann aufgrund dessen sie einigermassen akzeptieren.

Spannung, Verständlichkeit und Lesefluss

🔖🔖🔖 (3/5)

Da das Spiel sehr alt ist, ist auch die Sprache nicht sehr verständlich. Es werden viele Wörter benutzt, die in der heutigen Zeit nicht mehr benutzt werden und dies beeinflusste die Verständlichkeit sowie auch den Lesefluss für mich. Jedoch hat das Spiel mehrere Spannende Momente und da die Handlung linear und verständlich ist, war der Lesefluss, ausserhalb der alten Sprache, relativ gut.

Inspiration und persönliche Eindrücke

🔖🔖 (2/5)

Die Inspiration, die ich aus diesem Spiel ziehen konnte, ist sehr limitiert. Wie schon erwähnt, finde ich die Handlung sehr veraltet. Jedoch kann ich schätzen, dass dieses Spiel mir einen Einblick in die alte Struktur unserer Welt gewährte. Dies jedoch nicht weg davon, dass ich mich kaum mit der Handlung oder mit den Figuren identifizieren kann, und so konnte ich nicht sehr viel von diesem Spiel mitnehmen.

Allgemeiner Eindruck

Ich kann akzeptieren, dass dieses Spiel zur Zeit der Veröffentlichung sehr relevant und akkurat war. Jedoch kann ich mich persönlich in der heutigen Zeit nicht mehr mit sehr vielen Aspekten identifizieren. Jedoch finde ich die Charaktere und die grundsätzliche Geschichte sehr gelungen und aus diesen Gründen würde ich es mit 2.3/5 Lesezeichen bewerten.